die Freiwilligen von Cocos

Giselle 2011

Die Schwangerschaft meiner Mutter war sehr schwierig, weil währenddessen mein Vater festgenommen wurde. Meine Mutter arbeitete bis zum 9. Schwangerschaftsmonat und besuchte meinen Vater im Gefängnis. Es war sehr schwer für sie. Als ich geboren wurde, verließ mein Vater das Gefängnis. Alles schien sich zu normalisieren, bis mein Vater begann mich mit 4 Jahren zu schlagen. Niemals werde ich vergessen, als mein Vater mich auf dem Bürgersteig bei meiner Tante schlug, seine Nase meine Knie traf und er mich an den Haaren über den Boden zog. Wäre meine Großmutter nicht eingeschritten, hätte er mich wohl umgebracht. Bis ich 15 Jahre alt war, war ich dort gefangen.

Dann begann ich viel auszugehen, ging auf viele Feste und kam manchmal am nächsten Tag erst zurück. In dieser Zeit erklärte mein Vater meiner Mutter, dass er sie mit ihrer besten Freundin seit 8 Jahren betrogen hatte. Meine Mutter nahm unsere Sachen, verkaufte das Haus und zog in die Nähe von meiner Großmutter. Ich machte auch viele Sachen falsch, diskutierte viel mit meiner Mutter und nahm Drogen. Ich bezog einmal viel Prügel von einem Straßenkind, ich kam zurück nach Hause, erzählte dies und weinte mich bei meiner Mutter aus. Und seit diesem Tag nahm ich keine Drogen mehr und vermied die risikoreichen Orte.

Heute arbeite ich im CCF und bin sehr glücklich, weil ich wunderbare Schüler habe und ich liebe es mit ihnen zusammen zu sein, sie sind wie meine eigenen Kinder. Kürzlich beende ich meine langwierige Beziehung, in der es an der Reife meines Freundes mangelte (ich war beim Kennenlernen 14 und er 19 Jahre alt). Damit ich ihn nicht mehr traf, zog ich mit meinen Kindern zu meiner Großmutter. Bene, Claudia und Nadla halfen mir sehr und unterstützen mich, damit ich mein Leben auf dem richtigen Weg bringe. Ich danke ihnen sehr. Für meine Zukunft sehe ich mich in einer glücklichen Familie mit einem guten Ehemann und Kindern. Aber mein Traum ist Polizistin zu sein. Mit Gottes Hilfe und seiner Bestimmung werde ich weitergehen.

Gislaine – 2011
Tochter von Giselle

Die Schwangerschaft meiner Mutter war erwünscht. Meine Mutter hatte schon zwei Söhne und eine Tochter und wollte sie gerne auch zwei Mädchen haben. Meine Schwester ist 4 Jahre älter als ich und meine Mutter war genauso gut zu mir, meine Kindheit war wunderbar. Meine Jugend ist auch wunderbar, weil ich mit den Kindern des CCF zusammenarbeiten darf und oftmals auch Kind sein kann. Die Arbeit dort, verlangt viel als Erwachsener und manchmal auch von den Kindern. Ich fühle mich dadurch als eine bessere Person. Mein Traum ist meine Schule zu beenden und zu studieren, um Kinderärztin zu werden und mich um viele Kinder kümmern zu können. Kinder benötigen gute medizinische Versorgung um Gesund zu bleiben. Ich weiß, ich werde nie aufgeben meinen Traum zu folgen, weil ich eine charakterstarke Frau bin. Ich schaue immer nur vorwärts und niemals zurück.

Benedita ‚Bene‘ – 2011

Bis zu meiner Geburt hatte meine Mutter 8 Söhne, die alle bei der Geburt starben. Mein Großvater machte dann ein Versprechen beim Sao Benedito: wenn seine nächsten Enkelkinder überleben würden, würden sie Benedito/a heißen.

Meine Mutter hatte dann aber dann 6 Kinder bekommen. Meine Kindheit war sehr hart, ich mußte nur in den Bergen arbeiten. Ich sammelte Baumwolle und Mamona. In den wenigen Stunden, in denen ich spielen durfte, hatte ich eine Puppe aus Maiskolben gemacht oder Spielzeug aus der Wassermelonenschale. Auch spielte ich mit einem Federballspiel aus Maisstroh. Das Lernen war sehr schwierig ,weil meine Schule sehr weit von dem Haus war, in dem meine Familie wohnte. Als ich zur Schule ging, benutzten meine Lehrer noch Paddeln, vor denen die Schüler sehr viel Angst hatten. Als Kind und Jugendlicher war ich sehr ruhig und sah die Welt mit wenig Gewalt. Ich lernte mehr zu beobachten und weniger zu sagen. Ich war ein Kind mit Disziplin und Respekt allem gegenüber. Ich hatte kein Glück mit Männern, ich senkte nicht mein Haupt deshalb. Ich ließ meine Kinder unabhängig aufwachsen.

Ich liebe das CCF Cocos und bin Koordinatorin. Jeden Tag lerne ich mehr mit meinen Kollegen und Kindern. Durch Schwierigkeiten fühle ich mich gestärkt.

Nadla – 2011
Tochter von Bene

Die Schwangerschaft meiner Mutter war erwünscht aber problematisch, weil sie Bluthochdruck hatte und Diabetikerin ist. Ich wurde zu früh mit 8 Monaten geboren und wog 1,2 kg. Ich blieb fast ein Jahr im Krankenhaus, bis meine Mutter mich nach Hause nahm. Als ich drei Jahre alt war, versuchte mich mein alkoholisierter Vater umzubringen und bis heute kann ich ihn nicht verzeihen und will ihn auch nicht kennenlernen. Wer immer um mich gekämpft hat, war meine Mutter. Wir hatten zahlreiche Schwierigkeiten, inklusive Hunger. Sie gab uns Zucker mit Mehl und hinterher tranken reichlich Wasser um es zu verdünnen. Wenn ich heute daran denke, habe ich große Achtung, ich weiß, wie es ist zu hungern. Meine Kindheit und Jugend war für mich sehr anstrengend und hart, ich musste mit 7 Jahren am Strand Kokosnüsse und Käse verkaufen. Ich bin mit einer Box oder mit einem Wagen herumgelaufen und war voll großer Traurigkeit, weil ich nicht spielen durfte und auch nicht in die Schule gehen durfte. Ich wußte schon, ich musste meiner Mutter und meinen jüngeren Geschwistern helfen.

Es verging Zeit und ich nahm Drogen und nahm sie mit nach Hause. Meine Mutter setzte mich auf die Straße. Ich verfiel immer härteren Drogen, hatte riesigen Hunger und war sehr wütend auf meine Mutter. Aber heute weiß ich, daß ich mich für das Leben auf der Straßen entschieden hatte, bedingt durch den Einfluss meiner Straßenfreunde. Ich war drei Jahre fort von zu Hause, ich schlief auf einer Bank im Park und hungerte Monate und war fern von denen, die mich lieb hatten. Eine spezielle Person in meinem Leben zog mich aus dem Schlamm. Jedoch um den Drogen komplett zu entsagen, brauchte ich die Vergebung meiner Mutter und sie gab mir eine neue Gelegenheit und bot mir eine freie Stelle im CCF an. Ich sage, dieses hat mein Leben gerettet. Ich kehrte zurück zu meiner Schule und möchte in Zukunft Krankenschwester werden.