Was ist das Projekt?

Die Favela „Maravilha“

Die Favela „Maravilha“ liegt auf einem brachliegenden Grundstück im Stadtteil Fátima. Sie wird eingegrenzt von einer Autobahnbrücke sowie einem Abwasserkanal und ist von einer Eisenbahnlinie durchzogen.

Hier können Sie einen Einblick in die Umgebung des CCF Maravilha gewinnen.

Wo ist Fortaleza? Projekt Ort in Fortaleza
Wo ist Fortaleza? Umgebung vor Ort

Stand 1994

Auf engstem Raum leben hier mehr als 2000 Einwohner in nur 500 überwiegend aus alten Brettern, Pappe und Wellblech bestehenden Hütten, die den regelmäßigen Unwettern während der Regenzeit kaum standhalten. Meist handelt es sich um große Familien, die aufgrund der Armut vom Land in die Stadt gezogen sind und hier auf eine bessere Zukunft hoffen. Diese Hoffnung erfüllt sich jedoch für die meisten von ihnen nicht. Viele sind arbeitslos und schlagen sich mit Gelegenheitsjobs duch. Ihr Gehalt liegt oft unter dem gesetzlichen Mindestlohn von derzeit 260 Reais (etwa 70 Euro).
Die Analphabetenquote ist hoch. Es mangelt an hygienischer und sexueller Aufklärung. Müll und Fäkalien werden z.T. nicht entsorgt und bleiben vor den Häusern liegen.

Was machen wir / Was wir bisher erreicht haben

1. Räumliche Bedingungen

Als die Bürgerinitiative in Brasilien gegründet wurde, bestand die Grundschule in der Favela aus lediglich einem Raum, in dem vier Klassen zeitgleich unterrichtet wurden.

1994 begann das PSiB mit der finanziellen Unterstützung des Projekts von Deutschland aus. Mit Hilfe des PSiB wurde die Grundschule ausgebaut. Durch eine Aufstockung wurden weitere vier Klassenzimmer geschaffen, in denen die Kinder vormittags und nachmittags unterrichtet werden. Außerdem entstanden sanitäre Anlagen und ein Schulbüro.
Des weiteren half das PSiB beim Ausbau eines kleinen einstöckigen Hauses, aus dem das CCF Maravilha werden sollte. Es wurde ein zweites Stockwerk geschaffen, so dass heute sechs Räume, eine Küche sowie sanitäre Anlagen zur Verfügung stehen und täglich etwa 144 Kinder betreut werden können.

2. Betreuung
Die Kinder werden von vier aus der Favela stammenden Frauen betreut, deren Gehälter das PSiB trägt. Jeder Betreuerin steht ein Raum des CCF zur Verfügung, in dem sie den Kindern bei den Hausaufgaben und sinnvoller Freizeitgestaltung hilft.
Um die Betreuerinnen pädagogisch zu unterstützen, nimmt eine Psychologin an den wöchentlichen Teamsitzungen teil. Des weiteren werden Fortbildungsmaßnahmen durch den PSiB finanziert.

3. Gesundheit/Hygiene
Ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der hygienischen Situation war die Schaffung der sanitären Einrichtungen im CCF, zumal viele Elternhäuser nicht an die Wasserversorgung und die Kanalisation angeschlossen sind. Lange bestand die Kanalisation aus kleinen offenen Kanälen. Mittlerweile konnte erreicht werden, dass ein Großteil der Kanäle zumindest mit Betonplatten abgedeckt wurde, so dass sich die hygienische Situation verbessert hat.
Des weiteren leisten die Betreuerinnen des CCF einen Beitrag zur hygienischen Aufklärung, indem sie die tägliche Körperpflege (Händewaschen, Zähneputzen usw.) mit den Kindern einüben.

4. Ernährung
Jedes Kind erhält einmal täglich eine kleine Mahlzeit. Mitunter wird auch in der hauseigenen Küche von zwei Müttern gekocht. Bei vielen Kindern sind Mangelerscheinungen zu beobachten. Diese sind nicht in erster Linie auf fehlende Nahrungsmittel zurückzuführen, sondern auf mangelnde Kenntnisse über eine gesunde Ernährung. Deshalb ist eine bessere Aufklärung in Bezug auf die Ernährung erstrebenswert. Durch Kochkurse für Mütter und Jugendliche wird versucht, hierzu einen Beitrag zu leisten.

5. Kultur
Im CCF wird den Kindern ermöglicht , an einem Chor und Tanzunterricht teilzunehmen. Außerdem geben Jugendliche aus der Favela den jüngeren Kindern Flötenunterricht. Damit sich diese Jugendlichen musikalisch weiterbilden können, wird ihnen die Teilnahme an Unterricht am Konservatorium von Fortaleza geboten, was wiederum als ein Beispiel von Hilfe zur Selbsthilfe verstanden werden kann, da hierdurch die Jugendlichen in die Lage versetzt werden, ihr musikalisches Talent eines Tages vielleicht (semi-)professionell zu nutzen.
Manchmal geben die Kinder Konzerte im Rahmen offizieller Veranstaltungen.
Im Projekt wurde ein Fotografiekurs durchgeführt, bei dem die Kinder lernten, Fotos zu machen und zu entwickeln. Sie nahmen an einem Fotowettbewerb teil, bei dem einige ihrer Bilder ausgezeichnet wurden.

6. Bildung
Ein wichtiger Faktor für die Entsteheung von Arbeitslosigkeit und Armut ist die mangelnde Bildung.
Durch kontinuierliche Hausaufgabenhilfe wird versucht, die schulischen Leistungen der Kinder zu verbessern. Für die erwachsenen Bewohner der Favela werden Alphabetisierungskurse angeboten. Das CCF stellt Unterrichtsmaterialien soweit wie möglich zur Verfügung.

7. Der andere Dienst im Ausland/Freiwillige
Seit 1996 ermöglicht das PSiB jungen Menschen aus Deutschland, sich als freiwillige Helfer im CCF zu engagieren.
Zwei Jahre später erfolgte die Anerkennung als Träger für den „Anderen Dienst im Ausland“.
Seither haben vier junge Männer ihren Ersatzdienst im CCF abgeleistet.
Wegen der hohen finanziellen und bürokratischen Hürden bei der Entsendung von Dienstleistenden, haben wir den folgenden Jahren vor allem junge Menschen als Freiwillige angenommen, die mit ihren Wünschen und Vorkenntnissen in verschiedenen Bereichen in der Kinderhausarbeit engagiert waren.

8. Finanzierung/Aktivitäten in Deutschland
Für die Aufrechterhaltung der Angebote und für den Ausbau des Projektes CCF sammelt das PSiB Spendengelder in Deutschland, veranstaltet Benefizkonzerte und beteiligt sich an Stadtfesten, wo Caipirinha zu Gunsten des Projektes CCF verkauft wird. Die Spendengelder sowie der Reingewinn der Veranstaltungen gehen zu 100% nach Brasilien.
Aufgrund der geringen Größe des Projekts entstehen nur minimale Verwaltungsausgaben.

Was muss weiterhin geschehen?

– Das CCF kann längst nicht allen Kindern der Favela einen Platz bieten. Ein räumlicher und vor allem personeller Ausbau des CCF wäre dringend notwendig.

– Viele Kinder, die in der Favela leben, sind verhaltensauffällig. Um ihnen pädagogisch gerecht werden zu können, müssten weitere Fortbildungsmaßnahmen für die Betreuerinnen ermöglicht werden. Des weiteren fehlt es an angemessenem didaktischen Material.

– Die gesundheitliche Situation muss verbessert werden. Anzustreben wäre die Engagement eines Arztes, der regelmäßig die Kinder untersucht. Kürzlich fiel ein Kind einer ansteckenden Krankheit zum Opfer, die durch eine rechtzeitige Diagnose und entsprechende Medikation hätte geheilt werden können.

– Die Familien der Favela benötigen mehr Unterstützung für die Erziehung zu Hause. Ihnen muss die Bedeutung der Schulbildung und gesunden Ernährung weiter verdeutlicht werden.

– Unterstützung und Vorbereitung auf selbständige Verdienstmöglichkeiten für Jugendliche (z.B. Maniküre, Pediküre, Friseurhandwerk, Computerkenntnisse, Kinderbetreuung, technische Kenntnisse).